Darf Leinen in den Trockner? Wichtige Infos, die Sie wissen sollten

Darf Leinen in den Trockner? Wichtige Infos, die Sie wissen sollten

Leinen ist ein besonders strapazierfähiges und langlebiges Material, was sogar bei sehr heißen Temperaturen problemlos gewaschen werden kann.

Deshalb müsste es doch auch ohne Weiteres den Trockner aushalten, oder?

Leider ist die Lage etwas komplizierter.

In den meisten Fällen verträgt Leinen den Trocknerdurchlauf nicht gut – es gibt allerdings Ausnahmen.

Was Sie wissen und beachten müssen, bevor Sie Ihre Kleidung oder Bettwäsche aus Leinen in den Trockner stecken, erfahren Sie jetzt.

Ist Leinen trocknergeeignet?

Generell sollten Sie Kleidung, Bettwäsche oder andere Textilien aus Leinen nicht in den Trockner geben.

Leinen ist zwar eine der widerstandsfähigsten Naturfasern und extrem reißfest und strapazierfähig.

Selbst sehr hohe Temperaturen beim Waschen (sogar Kochwäsche) oder heißes Bügeln machen Leinen nichts aus.

Leinen hat jedoch zwei Achilles-Fersen: trockene Hitze und Reibung.

Die hohen Temperaturen in der Waschmaschine machen Leinen nämlich nur deshalb nichts aus, weil es dabei nass ist – aus diesem Grund darf es auch nur feucht gebügelt werden.

Trockene Hitze macht die Leinen-Fasern brüchig und spröde oder zerstört sie im ungünstigsten Fall direkt.

Außerdem besteht bei der trockenen Hitze im Wäschetrockner das Risiko, dass Leinen einläuft.

Zudem ist Leinen zwar sehr reißfest, jedoch empfindlich gegen Scheuern – so ist es beispielsweise weitaus reißfester als Baumwolle, aber weniger scheuerresistent.

Deshalb wäre auch die Reibung von Leinen in der Trocknertrommel schädlich für die scheuerempfindlichen Fasern – insbesondere in Kombination mit der trockenen Hitze.

Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass Leinen nur im Schongang gewaschen (geringe Schleuderbelastung) sowie bei Handwäsche nur gestaucht, aber nicht gerieben werden sollte.

Sind manche Leinen-Textilien trocknergeeignet?

Die eingangs erwähnte, generelle Empfehlung, Leinen nicht im Wäschetrockner zu trocknen, ist allerdings keine in Stein gemeißelte Regel.

Denn es gibt durchaus einige Textilien aus Leinen, die für den Wäschetrockner geeignet sind.

Entscheidend ist dabei in erster Linie das Etikett mit den Pflegehinweisen, was am Textil angenäht ist.

Übrigens sehen manche Experten Leinen sogar als ebenso gut für den Trockner geeignet an wie Baumwolle (mehr dazu erfahren Sie hier).

Manche Hersteller von Textilien aus Leinen erlauben das Trocknen im Wäschetrockner – allerdings fast immer nur im Schonprogramm und bei niedrigen Temperaturen.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie Leinen möglichst nie vollständig trocknen, sondern es noch feucht aus dem Trockner nehmen und die Restfeuchte an der Luft trocknen lassen.

Ob ein bestimmtes Textil aus Leinen den Trockner schadlos übersteht oder nicht, hängt nicht zuletzt auch von der Qualität der Flachsfasern sowie der Verarbeitung ab.

Leinen ist nämlich nicht gleich Leinen – so gibt es etwa hochwertiges belgisches oder französisches Leinen, was mit Liebe zum Detail in Handarbeit hergestellt wurde.

Und es gibt bekanntlich auch billigere, industriell hergestellte Leinen-Massenware aus Asien, die oft weder die gleichen Qualitätsansprüche an die Rohstoffe, noch an die Verarbeitungsqualität stellt.

Auch die Frage, ob die Flachsfasern vor ihrer Verarbeitung vorgewaschen wurden, ist entscheidend dafür, ob und wie stark sie beim Waschen und Trocknen einlaufen (bei günstigen Leinen-Textilien wird dieser Schritt aus Kostengründen eben oft übersprungen).

Was passiert mit Leinen im Trockner?

Zunächst einmal passiert mit Leinen im Trockner dasselbe wie mit allen anderen Textilien auch: es wird sowohl durch die Trommel hin- und herbewegt, während mehr oder weniger heiße Luft darüber geblasen wird.

Leinen ist extrem unelastisch – das macht es auf der einen Seite sehr reißfest und langlebig, auf der anderen Seite aber auch sehr knitteranfällig.

Durch das konstante Stauchen und Falten im Trockner werden Sie anschließend so gut wie immer Knitter in Ihren Leinen-Textilien vorfinden – umso mehr, je länger Sie sie darin trocknen.

Abhängig von der eingestellten Trocknertemperatur und der Dauer kann es auch passieren, dass Leinen im Trockner etwas einläuft – ob und wie stark, hängt auch davon ab, ob die Leinenfasern vom Hersteller vorgewaschen wurden.

Je höher die Temperatur und je trockener das Textilstück wird, desto mehr belastet die trockene Hitze zudem die Leinenfasern – sie werden spröde oder brechen sogar direkt.

Zudem findet wie bei allen Textilien auch stets Faserabrieb statt, wodurch das Textil mit der Zeit dünner wird – das sehen Sie übrigens anschließend im Flusensieb des Trockners (mehr dazu hier).

Dieser mechanische Faserabrieb findet bei Leinen allerdings verstärkt statt, da es wie eingangs angesprochen sehr scheuerempfindlich ist – insbesondere in Kombination mit trockener Hitze.

Welches Programm für Leinen im Trockner?

Idealerweise tun Sie nur solche Leinen-Textilien in den Trockner, deren Pflegeetikett das ausdrücklich erlaubt (bei denen das Trocknersymbol also nicht durchgestrichen ist).

Sie sollten stets ein Schonprogramm an Ihrem Gerät wählen – wenn es kein spezielles Programm für Leinen hat, wählen Sie andere empfindliche Materialien wie Wolle, Seide oder Synthetik.

Wenn Ihr Gerät die Temperatureinstellung separat ermöglicht, stellen Sie diese so gering wie möglich.

Außerdem sollten Sie Leinen niemals komplett trocknen – nehmen Sie es aus dem Trockner, solange es noch feucht ist.

Dadurch schonen Sie nicht nur die Leinenfasern, sondern verringern auch die Knitter und ermöglichen direkt das Bügeln (was nur feucht erfolgen darf).

Bei modernen Trocknern können Sie automatisch die gewünschte Restfeuchte einstellen.

Generell sind moderne Wärmepumpentrockner am besten für Leinen (und auch andere Textilien) geeignet, weil sie bei wesentlich geringeren Temperaturen arbeiten als Abluft- oder Kondenstrockner.

Mehr zu den verschiedenen Trocknertypen erfahren Sie hier.

Dürfen Mischgewebe mit Leinen-Anteil in den Trockner?

Leinen wird nicht selten mit anderen Fasern vermischt, um die Vorteile der verschiedenen Materialien in einem Textil zu kombinieren.

Was also, wenn Leinen beispielsweise mit Baumwolle vermischt ist, die ja problemlos trocknergeeignet ist?

Grundsätzlich gilt: bei Mischgeweben bestimmt immer das empfindlichere Material, wie das Textil gepflegt wird.

Wenn Leinen also der empfindlichste Stoff im Mischgewebe ist, gilt für die Pflege dasselbe, als wenn es 100% Leinen wäre.

Am einfachsten finden Sie die Trocknereignung von Leinen-Mischtextilien anhand des Pflegeetiketts heraus.

Altert Leinen schneller im Trockner?

Ja, generell altern alle Textilien etwas schneller im Trockner als bei Lufttrocknung, weil der Trockner eine zusätzliche mechanische Belastung für die Fasern durch die Trommeldrehung sowie eine thermische Beanspruchung durch die heiße Luft darstellt.

Den zusätzlichen mechanischen Abrieb können Sie direkt an den Flusen im Flusensieb erkennen, die sich nach jedem Trocknerdurchgang ansammeln.

Insbesondere, wenn Sie Leinen bei hohen Temperaturen oder vollständig im Trockner trocknen, beansprucht es das Material stark und kann es sogar brüchig machen oder einlaufen lassen.

Kurze Trockengänge in Wärmepumpentrocknern im Schongang, bei denen das Leinentextil anschließend noch feucht ist, sind hingegen weitaus weniger schädlich für das Material.

Was ist die schonendste Art, Leinen zu trocknen?

Noch besser, als Leinen im Schongang in einem Wärmepumpentrockner nur bis zur Restfeuchte zu trocknen, ist die gute alte Lufttrocknung.

In den meisten Fällen ist es am besten für Leinen, wenn Sie es zunächst im Schongang waschen – Leinen verträgt Waschmittel und Kochwäsche zwar hervorragend, aber die mechanische Reibung beim Schleudern tut den Fasern nicht so gut.

Anschließend nehmen Sie es so schnell wie möglich noch nass oder gut feucht aus der Maschine und bügeln es bei Bedarf feucht (niemals trocken!), bevor Sie es zum Trocknen aufhängen.

Eventuell reicht es auch aus, wenn Sie es nach dem Waschgang einfach glattziehen und direkt aufhängen, um es an der Luft trocknen zu lassen.

Vermeiden Sie jedoch direkte Sonnenstrahlung, weil Leinen dann schnell ausbleicht.

Leinen trocknet auch drinnen sehr gut (mehr dazu, wie Sie nasse Wäsche drin trocknen, ohne Schimmel zu riskieren, erfahren Sie hier).

Eine weitere Methode ist, dass Sie Ihre Kleidung, Bettwäsche oder andere Textilien aus Leinen in ein trockenes, saugfähiges Handtuch einrollen und es ausdrücken (nicht wringen) und es dann liegend trocknen (ab und zu wenden).

Tipp: eine kreative, improvisierte Methode, die gerade bei Platzmangel aber gut funktioniert:

Hängen Sie größere Textilien aus Leinen (Bettwäsche, Tischdecken, etc.) einfach über eine offenstehende Tür – wischen Sie aber vorher unbedingt den Staub von der oberen Türseite ab.

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