Kann man nasse Wäsche einfrieren? Was Sie wissen müssen

Kann man nasse Wäsche einfrieren? Was Sie wissen müssen

Nasse Wäsche einzufrieren scheint im ersten Moment zwar eine seltsame Idee zu sein, hat aber tatsächlich eine Reihe von Vorteilen.

Nicht nur können Sie Ihre Wäsche dadurch besonders schonend trocknen, sondern reduzieren auch Gerüche und Bakterien und verlängern sogar die Lebensdauer von manchen Textilien.

Was Sie über eingefrorene Wäsche wissen sollten, erfahren Sie jetzt.

Trocknet gefrorene Wäsche?

So überraschend es zunächst klingen mag – ja, nasse Wäsche wird auch im gefrorenen Zustand trocken.

Grundsätzlich trocknet nasse Wäsche stets durch Verdunstung des Wassers aus den Textilfasern – ob gefroren oder nicht.

In der Regel läuft dieser Verdunstungsprozess über dem Gefrierpunkt von Wasser ab, wodurch flüssiges Wasser in den gasförmigen Aggregatzustand übergeht, wenn es die Textilfasern verlässt und gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit erhöht.

Wichtig zu verstehen ist, dass dieser Verdunstungsprozess nicht zum Erliegen kommt, nur weil das Wasser gefroren ist.

Stattdessen findet bei Frost die sogenannte Sublimation statt, ein physikalischer Vorgang, bei dem Stoffe direkt vom festen in den gasförmigen Aggregatzustand übergehen, ohne vorher flüssig zu werden.

Das ist der Grund, warum gefrorene Wäsche beispielsweise auch im Winter bei Frost draußen trocken wird.

In der Tat trocknet nasse Wäsche bei Minusgraden draußen oftmals sogar schneller als drinnen, weil die kalte Winterluft meistens eine geringe relative Luftfeuchtigkeit hat und somit besonders leicht die verdunstende Feuchtigkeit aus der Wäsche aufnehmen kann.

Schadet es der Wäsche, sie einzufrieren?

Nein, grundsätzlich ist es völlig unschädlich für Textilien, sie einzufrieren – egal ob nass oder trocken.

Viele Leute glauben, dass die frierende Feuchtigkeit die Textilfasern zerstören könnte – das ist allerdings nicht der Fall.

Im Gegenteil, viele Textilien profitieren sogar von der “Eiskur” – beispielsweise lässt sich das Ausfransen von Strickware dadurch reduzieren, oder die Lebensdauer von elastischen Textilien wie Strumpfhosen erhöhen.

Es gibt jedoch tatsächlich eine Möglichkeit, wie Sie Ihre Wäsche dadurch beschädigen können: und zwar deshalb, weil sie im hart gefrorenen Zustand leicht brechen kann.

Deshalb sollten Sie sie vorher entweder auftauen, oder solange im gefrorenen Zustand lassen, bis sie getrocknet und damit wieder weich ist.

Welche Vorteile hat es, nasse Wäsche einzufrieren?

Es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen, nasse Wäsche einzufrieren, in der Regel sind es die folgenden:

  • die Wäsche trocknen
  • Gerüche entfernen
  • schonend zu Textilien
  • Parasiten abtöten
  • Wäsche wird geschmeidig
  • Zwischenlagern

Sehen wir uns diese Möglichkeiten im Folgenden genauer an:

Gefrorene Wäsche trocknen

Wie Sie nun bereits wissen, lässt sich nasse Wäsche hervorragend trocknen, indem man sie einfriert.

Natürlich ist die praktischste und umweltschonendste Variante, die Wäsche dafür einfach bei Minusgraden ins Freie zu hängen.

Dort haben Sie ungleich mehr Platz als in der Tiefkühltruhe, und bei besonders trockener Luft und leichtem Wind trocknet sie draußen wesentlich schneller.

Doch auch im Gefrierfach trocknet feuchte Wäsche mit der Zeit. Wir alle kennen den Effekt des Gefrierbrandes, bei dem sich nach einiger Zeit Eiskristalle auf Lebensmitteln bilden und diese dadurch trocken (und oft geschmacklos) werden.

Das ist das Resultat der oben erklärten Sublimation – die Feuchtigkeit verdunstet aus den Lebensmitteln – genau wie aus gefrorener Kleidung.

Gerüche verringern

Aus zahlreichen Untersuchungen und Studien ist schon seit langer Zeit zweifelsfrei bekannt, dass Minustemperaturen das Wachstum und die Vermehrung von Bakterien hemmen und diese mit der Zeit abtöten.

Zwar ist es richtig, dass dadurch nicht alle Bakterien vollständig absterben – deswegen ist Einfrieren auch keineswegs geeignet, um verunreinigte oder verdorbene Lebensmittel wieder genießbar zu machen.

Aber insbesondere geruchsbildende Bakterien in der Wäsche werden durch Einfrieren effektiv daran gehindert, sich weiter zu vermehren und mit zunehmender Dauer auch abgetötet.

So können Sie schnell und einfach etwa verschwitzte Sportkleidung einfrieren, um sie am nächsten Tag ohne üblen Geruch erneut nutzen zu können.

Diese Vorgehensweise spart Geld und schont die Umwelt, weil die Waschmaschine erst dann angeworfen wird, wenn genügend Schmutzwäsche zusammengekommen ist.

Schonend zu Textilien

Als Konsequenz des vorigen Punktes folgt, dass Sie dadurch Ihre Wäsche weitaus weniger Waschen und maschinell trocknen müssen.

Weil jeder Wasch- und Trocknerdurchlauf Textilien stets altern und die Farben verblassen lässt, erhöhen Sie mit regelmäßigem Einfrieren die Lebensdauer.

Eine Studie der University of Alberta in Kanada zeigte zudem, dass selbst nach 15 Monaten ohne Waschen keine bedenklichen Bakterien in Jeans nachweisbar waren.

Unangenehme Gerüche wurden während des Studienzeitraumes erfolgreich aus der Jeans entfernt, indem sie eingefroren wurde.

Parasiten abtöten

Parasiten wie Milben oder Bettwanzen sind nicht nur unerwünscht, sondern auch nur sehr schwer loszuwerden.

Studien haben herausgefunden, dass nach 80 Stunden bei mindestens -16°C sowohl Bettwanzen als auch deren Eier und Larven absterben. Auch Hausstaubmilben überleben die tiefen Minusgrade nicht über längere Zeit.

Sowohl die Waschmaschine als auch der Trockner machen jedoch weder den Wanzen noch Milben wirklich etwas aus.

Sollten Sie vermuten oder wissen, diese Parasiten an Ihrer Wäsche zu haben, verpacken Sie diese gut in einer Plastiktüte und frieren Sie diese für 3-4 Tage ein.

Anschließend sollten Sie die Wäsche erneut waschen und trocknen, um die abgestorbenen Parasitenreste zu entfernen.

Wäsche wird geschmeidig

Im Trockner oder bei Raumtemperatur getrocknete Wäsche wird oft hart und starr, was auch mit Weichspülern meist nur begrenzt verhindert werden kann.

Manche Menschen geben die Wäsche nach dem Trocknen deshalb erneut kurz in den Wäschetrockner, um sie aufzuschütteln und zu lüften.

Das verursacht aber zusätzlichen Energieverbrauch, belastet die Umwelt, kostet Zeit und Geld und lässt zudem die Wäsche schneller altern.

Was viele nicht wissen: bei Frost getrocknete Wäsche ist anschließend besonders weich und flauschig – ein Effekt, der speziell bei Frotteehandtüchern beliebt ist.

Zwischenlagern

Manchmal haben wir nicht direkt die Möglichkeit, die nasse Wäsche sofort aufzuhängen.

Das kann schnell passieren, wenn Sie keinen Trockner oder genügend Platz in der Wohnung zum Aufhängen haben und es draußen regnet oder feucht ist.

Die Wäsche längere Zeit nass liegen zu lassen, führt schnell zu muffigem Geruch oder Stockflecken und Schimmel.

Sofern Sie genügend Platz in einer Kühltruhe haben, können Sie die Wäsche dort einfach zwischenlagern, bis besseres Wetter ist oder Sie mehr Platz zum Aufhängen haben.

Im gefrorenen Zustand entsteht weder Geruch noch Schimmel – und gleichzeitig fängt die Wäsche so auch an, durch Sublimation zu trocknen.

Welche Nachteile hat es, nasse Wäsche einzufrieren?

Der größte Nachteil für viele ist, dass nur begrenzt Platz im Gefrierfach zur Verfügung steht.

Die wenigsten von uns haben schließlich eine extra Gefriertruhe leer stehen, um darin nasse Wäsche einzufrieren.

Insofern können meist nur einzelne Kleidungsstücke eingefroren werden, eine ganze Wäscheladung ist jedoch nicht realistisch.

Ein weiterer Nachteil bezieht sich auf den Trockenvorgang bei Frost: bei klarem, frostigen Winterwetter trocknet die Wäsche draußen normalerweise wesentlich schneller als im Gefrierfach.

Das liegt vor allem daran, dass sie draußen schön breit aufgehängt werden kann und die Verdunstung so viel besser abläuft, weil die Luft gut zirkulieren kann.

Zudem führt nasse Wäsche im Gefrierfach zu verstärkter Eisbildung, weil die verdunstende Feuchtigkeit sich an den Wänden als Eis niederschlägt.

Das verringert die Effizienz des Gefrierfachs, erhöht den Stromverbrauch und reduziert natürlich auf Dauer auch den Stauraum.

Wie friert man nasse Wäsche am besten ein?

In den meisten Fällen bietet es sich an, die Wäschestücke in einen Gefrierbeutel oder eine Plastiktüte zu stecken, bevor sie ins Gefrierfach kommen.

Das verhindert, dass eventuelle Bakterien, Parasiten oder Gerüche sich mit den Lebensmitteln im Gefrierfach vermischen.

Einzige Ausnahme: wenn Sie Ihre nasse Wäsche trocknen wollen, sollten Sie sie nicht in Plastik einwickeln.

Ansonsten verlangsamen Sie den Trockenprozess enorm oder machen ihn sogar unmöglich, weil die Feuchtigkeit nicht verdunsten kann.

Wie lange sollte nasse Wäsche gefroren bleiben?

Wenn es Ihnen um das Trocknen nasser Wäsche geht, sollten Sie die Textilien erst dann aus dem Trockner nehmen, wenn sie wieder komplett weich ist – also vollständig trocken ist.

Ansonsten besteht nämlich das Risiko, dass die Textilfasern brechen oder beschädigt werden. Außerdem taut die Wäsche sonst auf und ist dann wieder nass.

Wie lange das vollständige Trocknen dauert, hängt stark von der relativen Luftfeuchtigkeit und dem Wassergehalt in der Wäsche ab.

An einem trockenen, frostigen Wintertag kann sie draußen in wenigen Stunden trocknen – im Gefrierfach wird es eher mehrere Tage dauern.

Zum Reduzieren von geruchsbildenden Bakterien gilt: je länger, desto mehr Bakterien sterben ab – nach mehreren Tagen sind die meisten abgetötet. Ihre Vermehrung wird allerdings schon von Anfang an gestoppt.

Bei Bettwanzen beträgt die empfohlene Einfrierdauer laut Studien ca. 80 Stunden, um wirklich alle Parasiten, Larven und Eier abzutöten.

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