Warum stinkt das Wasser aus dem neuen Wasserhahn? 4 Gründe (& Lösungen)

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Warum stinkt das Wasser aus dem neuen Wasserhahn

Leitungswasser sollte neutral riechen und schmecken – vor allem, wenn es aus einem neuen Wasserhahn strömt. Leider ist dies nicht immer der Fall.

Für Gerüche kommen mehrere Ursachen infrage: von chemischen Rückständen in der Armatur bis zu abgestandenem Wasser und Verunreinigungen in der Leitung, die gleichzeitig auftreten.

Nicht immer ist nur der Geruchssinn betroffen, denn manche Stoffe im Trinkwasser können darüber hinaus die Gesundheit beeinträchtigen.

Wir zeigen Ihnen, wann es Zeit zum Handeln ist, und wie Sie den Gestank aus dem neuen Wasserhahn wieder loswerden.

Ist es normal, dass Wasser aus neuen Wasserhähnen stinkt?

Zwar kann es sein, dass ein neuer Wasserhahn leicht chemisch riecht, wenn er mit Dicht- oder Schmierstoffen behandelt wurde.

Dieser Geruch sollte jedoch kurze Zeit nach Inbetriebnahme verschwunden sein und sich nicht auf das Wasser übertragen.

4 Gründe, warum Wasser aus einem neuen Wasserhahn stinkt

1. Minderwertige Dichtungen und Schmiermittel

Um Kosten zu sparen, verwenden viele Hersteller von Billigarmaturen minderwertige Schmiermittel für ihre Dichtungen.

Diese können abgewaschen werden und ins Trinkwasser gelangen, was sich für gewöhnlich in einem chemischen Geruch und Geschmack zeigt. 

Doch damit nicht genug: Oft sind in Billig-Dichtungen auch Weichmacher enthalten, die ihren Geruch an das Wasser abgeben.

2. Flexschläuche

Evtl. wird das Problem auch von den Schläuchen verursacht, die von den Eckventilen zum Wasserhahn führen.

Werden diese Schläuche nicht antibakteriell behandelt, kann sich darin bereits nach kurzer Zeit ein Biofilm bilden, der für den Geruch verantwortlich ist.

Dasselbe gilt für Wasserhähne mit ausziehbarer Brause.

Oder wurden die alten Flexschläuche lange nicht benutzt, bevor sie an einen neuen Wasserhahn angeschlossen wurden?

Dann kann dort das Wasser stagniert sein, sodass sich geruchsintensive Keime gebildet haben.

3. Rohrleitungen im Haus

Wenn das Wasser metallisch schmeckt, lässt das auf Korrosion in den Leitungen schließen.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass dieses Problem gleichzeitig mit dem Kauf eines neuen Wasserhahns auftritt.

Ausschließen sollten Sie es jedoch – vor allem in Altbauten – nicht.

4. Wasserversorgung

Natürlich kann das Geruchsproblem auch schon vor dem Austritt aus der Armatur entstehen – und zwar in der öffentlichen Wasserleitung.

Wenn das Wasser nach faulen Eiern riecht, liegt eine Kontamination mit Schwefelwasserstoff nahe. Dieses Gas entsteht durch eine Kombination aus Sulfat und Bakterien.

Evtl. wurde auch eine Leitung beschädigt, sodass Abwasser in die Wasserversorgung gelangt ist.

Oder weist das Wasser einen stechend chemischen Geruch auf?

Dann ist wahrscheinlich Chlor verantwortlich.

Diese Chemikalie wird dem Trinkwasser in bestimmten Fällen beigemischt, um Bakterien abzutöten.

Nicht immer baut sie sich auf dem Weg zum Wasserhahn ab, sodass der Chlorgeruch weiterhin bemerkbar ist.

Über diese und weitere Gründe, warum das Trinkwasser unangenehm riechen kann, können Sie auch hier mehr erfahren.

Was tun, wenn das Wasser aus dem neuen Wasserhahn stinkt?

Qualität des Wasserhahns überprüfen

Zuerst sollten Sie prüfen, ob der neue Wasserhahn über die entsprechenden Zertifikate zur Trinkwasserhygiene verfügt. Dazu gehören beispielsweise:

  • GS-Siegel (TÜV)
  • DVGW-W270 Prüfzeichen
  • KTW-Konformität für Flexschläuche

Das verwendete Schmiermittel muss lebensmittelecht und wasserbeständig sein.

Bei Markenherstellern können Sie sich darauf verlassen, dass diese Kriterien erfüllt sind.

Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie eine Billigarmatur gekauft haben.

Dann wissen Sie im schlechtesten Fall nicht einmal, aus welchen Materialien der Wasserhahn genau besteht.

Leitungen durchspülen

Wenn der neue Wasserhahn an eine Leitung angeschlossen wird, die lange nicht benutzt wurde, sollte diese gründlich durchgespült werden.

Am besten lassen Sie den Wasserhahn nach der Montage einige Minuten lang laufen – heiß und kalt – bevor Sie Wasser daraus trinken.

Wasserversorger kontaktieren

Tritt der Geruch nicht nur beim neuen Wasserhahn, sondern zeitgleich auch an anderen Entnahmestellen auf?

Dann sollten Sie bei Ihrem Versorger nachfragen.

Evtl. wurden Arbeiten an der Wasserleitung durchgeführt oder es kam zu Beschädigungen, durch die das Trinkwasser verunreinigt wurde.

Wasserfilter kaufen

Wenn Sie den Geruch und Geschmack Ihres Wassers verbessern möchten, stellen Aktivkohlefilter eine gute Wahl dar.

Diese Filter können einfach an den Wasserhahn geschraubt werden.

Außerdem entfernen einige neben Gerüchen auch Schwermetalle sowie Reste von Pestiziden und Pharmazeutika aus dem Wasser.

Doch Vorsicht: nicht alle Wasserfilter sind gleich gut – wie sich die verschiedenen Typen unterscheiden, erfahren Sie hier.

Trinkwasser analysieren lassen

Nicht immer lässt sich anhand des Geruchs erkennen, mit welchen Stoffen das Trinkwasser kontaminiert ist.

Jedoch können Hausbesitzer Analyse-Kits kaufen und die Ergebnisse in ein Labor schicken.

So erhalten Sie Gewissheit darüber, ob sich bedenkliche Stoffe im Trinkwasser befinden.

Ist stinkendes Wasser aus einem neuen Wasserhahn gefährlich?

Bei der Antwort auf diese Frage kommt es darauf an, welcher Stoff den schlechten Geruch verursacht:

Biofilm

Biofilm im Wasserhahn oder den Leitungen besteht aus einer Myriade von Keimen.

Diese können zwar unangenehm riechen, sind jedoch nicht immer gefährlich.

Im Umkehrschluss machen sich schädliche Keime nicht zwingend durch ihren Geruch bemerkbar.

Legionellen etwa, die in stagnierendem, warmem Wasser entstehen und schwere Krankheiten verursachen können, sind geruchslos.

Ihr Wachstum wird durch vorhandenen Biofilm begünstigt.

Weichmacher

Weichmacher, die für Gummidichtungen zum Einsatz kommen, haben im menschlichen Körper nichts verloren – vor allem nicht, wenn es sich um Phthalate handelt.

Als besonders problematisch gilt Diethylhexylphthalat (DEHP): ein Weichmacher, der für PVC-Dichtungen verwendet wird.

DEHP kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und Föten im Mutterleib schädigen. 

Für Kinderspielzeug ist dieses Phthalat bereits verboten, und auch im Sanitärbereich sollten Sie lieber DEHP-freie Produkte wählen.

Tückischerweise lassen sich Weichmacher nicht immer am Geruch erkennen. 

Riecht der Wasserhahn jedoch beißend-chemisch, ist das ein fast schon sicheres Anzeichen dafür, dass sie enthalten sind.

Metalle

Metalle, die sich durch Korrosion in der Wasserleitung lösen, beeinträchtigen nicht nur den Geruch und Geschmack, sondern können auch gesundheitsschädlich sein.

Dabei kommt es auf die Konzentration an.

Werden folgende Werte überschritten, sollte das Wasser nicht mehr getrunken werden:

  • Eisen: 200 mg/l
  • Zink: 30 mg/l
  • Kupfer: 2 mg/l

Besonders problematisch sind Bleirohre, die noch in manchen Altbauten zu finden sind.

Blei ist geschmack- und geruchlos, kann die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen und stellt auch für den Fötus im Mutterleib eine Gefahr dar.

Erwachsene sind weniger anfällig für eine Bleivergiftung, da das Schwermetall meist ausgeschieden oder in den Knochen eingelagert wird.

Allerdings können Schäden am Nervensystem, den Organen und dem Blut nicht ausgeschlossen werden.

Schwefelwasserstoff

Schwefelwasserstoff riecht zwar unangenehm nach faulen Eiern, ist jedoch nur in höherer Konzentration gesundheitsschädlich.

In niedriger Dosis hat diese Chemikalie lediglich eine abführende Wirkung.

Allerdings werden Metallrohre von Schwefelwasserstoff angegriffen, sodass es zu Beschädigungen und Lecks kommen kann.

Chlor

Auch Chlor ist trotz des penetranten Geruchs nicht gefährlich, solange die Grenzwerte eingehalten werden.

Lediglich Schwangere und stillende Mütter sollten vom Konsum chlorhaltigen Wassers absehen, da die Auswirkungen auf Babys und Föten noch nicht ausreichend erforscht wurden.

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