Kann ein Kühlschrank heizen? 5 häufige Fragen (beantwortet)

Kann ein Kühlschrank heizen? 5 häufige Fragen (beantwortet)

Kühlschränke kühlen – das weiß jedes Kind.

Wer jedoch seine Hand an die Rückseite des Geräts hält, wird feststellen: Kühlschränke geben gleichzeitig Wärme an ihre Umgebung ab.

Streng genommen handelt es sich also um Mini-Heizungen, die einen Raum erwärmen können.

Warum das so ist, welche Wärmeenergie Kühlschränke erzeugen und warum sie trotzdem nicht zum Heizen geeignet sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

1. Warum erwärmen Kühlschränke ihre Umgebung?

Kühlschränke produzieren Wärme als „Abfallprodukt“, das beim Betrieb automatisch anfällt.

Um dies zu verstehen, sehen wir uns kurz die Funktionsweise an:

Sog. Kompressor-Kühlschränke, wie sie heute üblich sind, besitzen zwei miteinander verbundene Rohrsysteme:

Den Verdampfer und den Verflüssiger. Diese sind mit einem Kältemittel wie Isobutan gefüllt.

Bevor dieses Kältemittel das Innere des Kühlschranks kühlen kann, muss es in einen gasförmigen Zustand versetzt werden.

Das passiert durch eine Drossel oder ein sehr dünnes Kapillarrohr, hinter dem sich das Kältemittel ausdehnt und durch diese Druckminderung gasförmig wird (deshalb heißt dieser Bereich “Verdampfer”).

Durch diesen Übergang vom flüssigen zum gasförmigen Aggregatzustand kühlt sich das Kältemittel auf bis zu -30°C ab und entzieht daher dem Kühlraum Wärmeenergie auf seinem Weg durch das Verdampfer-Rohrsystem im Inneren des Kühlschranks.

Bevor der Kühlkreislauf geschlossen werden kann, muss das nun gasförmige Kältemittel wieder verflüssigt werden, um dem Kältemittel die aufgenommene Wärmeenergie zu entziehen.

Dies geschieht, indem es vom Kompressor mit hohem Druck in den Verflüssiger gepresst wird.

Dort kondensiert das Kältemittel, erwärmt sich stark und gibt die vorher aufgenommene Wärme über einen Radiator an die Umgebung ab. Der Kühlkreislauf beginnt von neuem.

Ebenfalls notwendig für die Funktion ist ein Thermostat im Innenraum.

Erst, wenn dieser eine bestimmte Temperatur misst, wird der Kompressor – und damit der Kühlvorgang – aktiviert.

2. Wie viel Wärme geben Kühlschränke ab?

Wie viel Wärme ein Kühlschrank als Nebenprodukt erzeugt, ist von mehreren Faktoren abhängig:

Moderne Kühlschränke der Energieklasse A++ oder A+++ geben gerade einmal 25 Watt an die Umgebung ab – also etwa so viel wie eine Glühbirne.

Handelt es sich jedoch um ein älteres Modell, ist die Rückseite verstaubt, der Innenraum vereist oder steht der Kühlschrank an einer warmen Wand, kann er auch doppelt so viel Hitze produzieren.

3. Sind Kühlschränke also eine Art Heizung?

Es klingt paradox, doch Kühlschränke heizen tatsächlich mehr als sie kühlen.

Der Grund: Die Temperaturen im Innenraum würden nicht genügen, um das gasförmige Kältemittel erneut zu verflüssigen.

Stattdessen muss es mithilfe elektrischer Energie komprimiert aufgeheizt werden, und diese Energie entweicht als Wärme über die Rückseite des Kühlschranks.

Oder kurz gesagt: Das Gerät gibt mehr Wärme nach außen ab, als es dem Innenraum entzieht.

Theoretisch ließe sich also ein Zimmer heizen, indem man die Kühlschranktür offen stehen lässt. In der Praxis ist das jedoch keine gute Idee.

Zum einen ist die Heizleistung verglichen mit dem Stromverbrauch äußerst mager.

Zum anderen wäre der Kompressor bei hohen Temperaturen im Dauereinsatz und würde schneller verschleißen als bei der gewöhnlichen Nutzung.

Auch ist es nicht empfehlenswert, den Kühlschrank in einem unbeheizten Raum zu betreiben (mehr dazu hier).

In diesem Fall würde das Öl im Kompressor zähflüssig werden und könnte die beweglichen Teile nicht mehr ausreichend schmieren.

Ein weiteres Problem kalter Räume betrifft das Gefrierfach:

Herrscht in der Umgebung die gleiche Temperatur wie im Kühlschrank, startet der Kompressor die Kühlung nicht.

Sofern das Gefrierfach nicht über einen eigenen Thermostat verfügt, taut es also ab. Darin gelagerte Lebensmittel könnten verderben.

Welche Raumtemperatur für den reibungslosen Betrieb mindestens herrschen muss, wird durch die sog. Klimaklasse des Kühlschranks bestimmt (lesen Sie mehr dazu hier).

Unterschreiten Benutzer diese Temperatur – etwa, weil sie den Kühlschrank in einem ungeheizten Raum aufstellen– müssen sie damit rechnen, dass die Garantie des Herstellers hinfällig wird.

4. Können Kühlschränke den Wärmekreislauf umkehren, sodass sie innen heizen?

Aus dem Kühlschrank einen „Heizschrank“ zu machen, ist theoretisch möglich.

Jedoch genügt es nicht, die Richtung des Kältemittels einfach umzukehren.

Stattdessen müssten die Rohrleitungen ausgetauscht werden.

Heißt: Im flüssigen Zustand fließt das Kühlmittel nun nicht mehr außen am Kühlschrank entlang, sondern durch den Innenraum, wo es diesen erwärmt.

Dementsprechend müsste das Verdampfer-Rohrsystem, in dem das Kältemittel Wärme aufnimmt, außen am Kühlschrank entlanggeführt werden.

Nach demselben Prinzip funktionieren Wärmepumpen, die zum umweltfreundlichen Heizen eingesetzt werden.

Hier wird Wärme einem Medium wie Luft, Wasser oder dem Erdreich entzogen und an das Innere des Hauses abgegeben.

Natürlich ist der Umbau des Kältekreislaufs sehr aufwändig. Rohre, Kompressor und Kapillarleitung müssten ausgebaut und umgekehrt wieder installiert werden, was diese Lösung für Laien wenig geeignet macht.

Empfehlenswerte Alternativen

Einfacher gestaltet sich die Verwendung von elektrischen Kühlboxen.

Viele dieser Geräte besitzen eine Wärmefunktion, mit der Innentemperaturen von bis zu 65° C erzeugt werden können.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen alten Kühlschrank ohne Kompressor und Kältekreislauf zu betreiben und sich nur die isolierende Wirkung zunutze zu machen.

In dem Fall sorgt ein Heizlüfter bzw. eine Heizfolie, die per Thermostat gesteuert wird, für konstant hohe Temperaturen.

Solche Konstruktionen kommen beispielsweise in der Imkerei zum Einsatz, wie dieses Video zeigt:

5. Warum haben manche Kühlschränke Heizelemente?

Wie bereits erwähnt, geben Kühlschränke über die Rückseite Wärme an ihre Umgebung ab.

Doch zusätzlich besitzen viele Modelle eine eigene Heizung im Innenraum. Diese dient folgendem Zweck:

Da moderne Kühlschränke gut isoliert sind, muss der Kompressor nur selten eingeschaltet werden.

Das spart zwar Strom, sorgt jedoch für ein Problem, wenn Kühlraum und Gefrierfach zusammen über nur einen Thermostat verfügen.

Das Gefrierfach wird zu selten gekühlt und Speisen könnten auftauen.

Statt einen zusätzlichen Thermostat zu installieren, bedienen sich manche Hersteller einer günstigeren Lösung:

Sie beheizen den Innenraum des Kühlschranks in regelmäßigen Abständen und sorgen so dafür, dass das Aggregat öfter kühlt.

Daneben kommen folgende Heizelemente in Kühlschränken zum Einsatz:

Mit einer Rahmenheizung wird verhindert, dass sich beim Öffnen an den Türdichtungen Kondenswasser sammelt.

Verfügt der Kühlschrank über eine Tauwasserschale, kann diese per Heizung erwärmt werden, was die Verdunstung verbessert. So wird verhindert, dass die Schale überläuft.

Abtauheizungen entfernen bei No-Frost-Kühlschränken Eisablagerungen am Verdampfer.

So wird außerdem die Luftfeuchtigkeit im Innenraum reduziert, wodurch sich weniger Eisschichten bilden.

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